Sag´s wie Obama...
US-Präsident Barack Obama ist zweifellos ein rhetorisches Genie, vor allem wenn man den direkten Vergleich mit seinem Vorgänger George W. Bush zieht. Über dessen gescheiterten Redekünste sind bereits während seiner Amtszeit ganze Bücher erschienen. Obama hingegen wirkt eloquent, stark, sympathisch, vereinnahmend, fesselnd. Mich persönlich hat er immerhin so fasziniert, dass ich sogar meine NLP-Arbeit über seine vielbeachtete Rede in Berlin verfasst habe.
Nun taucht vermehrt die Kritik auf, dass Obama ohne seinen Teleprompter seine rhetorische Brillanz und die damit verbundene Wirkung komplett einbüsst. Außerdem häufen sich peinliche Fehler. So berichtete die Schweizer Weltwoche am 8. April 2009:
Immer häufiger stellt der Prompter dem Präsidenten ein Bein. Neulich, beim Empfang des irischen Premiers Brian Cowen, erschien die Rede des Gastes auf seinem Display. In einer bizarr anmutenden Szene sagte Obama: «Ich danke Präsident Obama für die freundliche Einladung ins Weisse Haus.»
US-Blogger haben für ihn bereits einen eigenen Terminus kreiert: TOTUS (Telepromter Of The United States). Hier ein weiteres Beispiel, wie Obama ohne seinen Teleprompter ins Trudeln kommt:
Nun, ich persönlich finde "Spickzetteln", auch die moderne Form davon, nicht schlimm. Wenn ich eine Rede halte, verwende ich auch gerne Moderationskärtchen, auf denen ich mir zumindest die wichtigsten Stichwörter notiere. Zu sehr sollte sich ein Redner allerdings nicht auf diese Möglichkeiten verlassen. Vor allem dann nicht, wenn gerade seiner Redekunst ein Großteil der erfolgreichen Wirkung der Person zugeschrieben wird.
Für Leute, die sich näher mit Obamas Rede-Techniken auseinandersetzen möchten, empfehle ich folgendes Buch, das ich zur Zeit selbst mit großem Interesse und Vergnügen lese:
"Sag´s wie Obama. Ausstrahlung, Rhetorik und Vision des neuen US-Präsidenten", Shel Leanne, Wirtschaftswoche Sachbuch, Linde Verlag Wien
Kritische Auseinandersetzungen mit Obama